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Du meine Kehle, klinge!

Singen - ein spiritueller Weg in der christlichen Tradition
Psalmen singen
Hinführung zur Gregorianik

Am Beginn des Weges steht der Aufbau einer Grundhaltung der körperlich spürbaren "Stimmigkeit", der Stille und des Hörens. Dieser innere Freiraum öffnet Klangräume für meditatives Singen. Ich führe Sie ein in die älteste bis heute erklingende Form meditativen Singens in der christlichen Tradition: das Singen von Psalmen und Gregorianischen Gesängen.

Die Vorgänge beim Atmen und Singen und die Funktionsweise der dazugehörigen Körperorgane finden eine Entsprechung auf dem Gebiet der christlichen Meditation, so wie sie im Singen von Psalmen und Gregorianischen Gesängen seit Jahrhunderten praktiziert wird.
Hier geht es um ein Loslassen des eigenen Körpergewichts an den tragenden Boden, um eine stimmfreundliche Zwerchfelltätigkeit zu ermöglichen, dort geht es um ein Sich-Selbst-Loslassen, um das Wort Gottes aufnehmen und sich ihm hingeben zu können.

Die musikalischen Mittel Gregorianischer Gesänge - Melodie, Rhythmus, Modus - sind durch und durch am Text orientiert. Der Psalm selbst ist die Musik des Gregorianischen Chorals -gesungenes Wort Gottes, Meditation pur.

Die Gesänge sind einstimmig. Das ermöglicht beim Singen die Erfahrung, nicht eine Stimme von vielen zu sein, sondern Teil einer Stimme.

Seit langer Zeit praktiziere ich das Singen von Psalmen und Gregorianischem Choral regelmäßig, sowohl in der Choralschola Kiel als auch als spirituelle Übung im Alltag. Diese Art der Meditation ist hörbar und wirkt nicht nur auf mich selbst als Übende, sondern auch auf die Hörenden.

Ich habe einige Menschen in meiner Umgebung, die den Choral entweder selber singen oder regelmäßig hören, nach der Wirkung befragt. Hier sind einige Antworten: Ruhe wird besonders häufig genannt. Innere Ruhe und Stille sind der Hintergrund, vor dem sich die Gesänge entfalten.

Im Singen von Psalmen ist die Stille sogar hörbar enthalten: In der Mittelpause zwischen jeweils zwei Halbversen eines Psalmverses. Diese Pause "folgt dem natürlichen Rhythmus des menschlichen Atems und bindet somit auch das Körperliche für einen meditativen Vollzug der Psalmodie mit ein" (Luigi Agustoni / Johannes Göschl, Einführung in die Interpretation des Gregorianischen Chorals, Band 2, S. 691).

Inhalte meines Einzel- und Gruppenunterrichts:

Die körperliche Einstimmung verläuft ähnlich wie unter "Einfach singen" beschrieben (siehe dort). Ergänzend nehme ich Übungen zum Hören in die Stille hinzu, um eine Grundhaltung der Stille und des Hörens aufzubauen. Der Körper wird "ganz Ohr". Durch diese Einstimmung der Ohren auf die Stille wird das Singen immer mehr ein Geschehen von der Wahrnehmung aus, immer weniger von aktivem Tun aus. Damit kommen wir der meditativen Haltung des Gregorianischen Chorals immer näher.

In der Gruppe ist die Einstimmigkeit eine besondere Herausforderung. Sie wird vorbereitet durch verschiedene Klangstudien und Hörübungen, um das Gehör für Einstimmigkeit bis hinein in die Binnenstruktur der Klänge, die Obertöne, mehr und mehr zu sensibilisieren.

Gerne führe ich Sie in die Praxis des Psalmsingens und des Singens Gregorianischer Gesänge ein. Dazu gehört ein Einblick in die Notation und die jahrhundertelang praktizierten Regeln, soweit er für die praktische Ausführung sinnvoll erscheint.


Im Hebräischen gibt es ein Wort (näfäsch), das zunächst einmal "Kehle" bedeutet. Es bezeichnet aber, wie im Hebräischen üblich, nicht nur das Organ selbst, sondern zugleich seine Funktionen.
Es bedeutet also: die hörbare klingende Kehle und ebenso die aufnehmende hungrige Kehle, in der sich das Lebendigsein zeigt.
Meist wird dieses Wort (z.B. am Ende der Psalmen 103 und 104) mit "Seele" übersetzt: Lobe den Herrn, meine Seele! Ebenso gut könnte die Übersetzung lauten: Lobe den Herrn, meine Kehle! Oder: Lobe den Herrn, mein Leben!

(Quelle: Die Körpersymbolik der Bibel, Silvia Schroer und Thomas Staubli, Gütersloh 1998).